Alte Sprachen

Warum verstärkt Griechisch?

Alle Semis haben Altgriechisch, weil es zu unserer Vorstellung von Bildung gehört. Mit den Texten der Griechen lernen wir, über das Menschsein nachzudenken.
Zeitlose Fragen stehen bei diesem Fach im Mittelpunkt: Wer bin ich? Wie kann ich meinen Mitmenschen und mir gerecht werden? Was kann ich erreichen und wo liegen meine Grenzen?

Was ist das Besondere hier?

Griechisch ist ein besonderes Fach, weil es so grundlegend ist.
Griechisch fordert Offenheit, fördert genaues Hinsehen und damit die Kritikfähigkeit und es stellt den Menschen in den Mittelpunkt.
Es macht ein Bewusstsein für die europäische Geistesgeschichte in ihren Grundlagen und ihrer Entwicklung möglich.

Was bedeutet Griechisch für dich konkret?

Wenn du Griechisch lernen willst, musst du Ausdauer mitbringen für das Lernen der Vokabeln und Formen. Ein Interesse an Geschichte und Sagen und eine Offenheit gegenüber sprachlichen und philosophischen Fragen schaden nicht.
Indem du lernst, griechische Texte aus dem Original zu übersetzen, schulst du deine Urteilskraft und entwickelst dein Sprachgefühl und deine Ausdrucksfähigkeiten gerade auch im Deutschen.
Eine zweiwöchige Studienfahrt nach Griechenland in der Kursstufe krönt deine Beschäftigung mit dem Griechischen.

Das Fach Griechisch am Evangelischen Seminar Maulbronn

Für unsere Schule als ein Kind der Reformation war das Fach Griechisch von Beginn an ein zentrales Wesensmerkmal, war es doch für den christlichen Humanismus unabdingbare Voraussetzung für die Erkenntnis des Evangeliums, auch schwierigere Erscheinungen der griechischen Sprache selbst entschlüsseln zu können.
Heute hat das Schulfach Griechisch vor allem einen kulturell allgemeinbildenden Anspruch. Im Zentrum des Unterrichts steht die Beschäftigung mit einigen der prägendsten Werke der antiken griechischen Literatur.
Durch die Auseinandersetzung mit relevanten, stets zeitgemäßen ethischen Inhalten bietet das Fach Griechisch in einer Zeit des rasanten Wandels einen wertvollen Bildungsgewinn. Einige Thesen und Fragen unserer Übersetzungs- und Interpretationsautoren (letztere wurden auf zum Teil provozierende und fremdartige, zum Teil großartige Weise beantwortet), seien genannt:

  • Ich bin mir meiner Unwissenheit bewusst. Ich muss, um gut leben zu können, zuerst einmal verstehen, dass vieles, was ich für wahr halte, nur eine Meinung ist. (Sokrates)
  • Am Anfang der Philosophie steht die Fähigkeit, sich zu wundern. (Platon)
  • Kann ich lernen, gut zu sein? (Platon)
  • Wie finde ich meinen Weg zwischen Standhaftigkeit und Kompromissbereitschaft? (Sophokles)
  • Wo liegen die Grenzen meiner eigenen Gestaltungsmöglichkeiten? (Homer)
  • Unrecht tun ist nie richtig. Auch Unrecht, das Unrecht vergilt, bleibt Unrecht. (Platon)
  • Der Mensch kann aus Maßlosigkeit große Fehler begehen. (Herodot)
  • Den einen, richtigen Lebensentwurf gibt es nicht. Verschiedene Kulturen können nicht gegeneinander ausgespielt werden. (Herodot)
  • Was macht eine funktionierende Gesellschaft aus? (Platon)
  • Machtpolitik erkennen und hinterfragen! (Thukydides)

Viele der aufgeführten Autoren haben ihre jeweilige schriftstellerische Gattung begründet, andere haben ästhetische Maßstäbe gesetzt, die sie zu Vorbildern der gesamten europäischen Kulturtradition machten und in dieser Hinsicht bis heute Stilempfinden und Formenbewusstsein junger Menschen fördern können. Heute werden die antiken Texte nicht so sehr als Ausdruck einer irgendwie idealen, verehrungswürdigen Kultur betrachtet, wie als faszinierende Folie, die uns durch Ähnlichkeit und Fremdheit zugleich dazu auffordert, uns zu identifizieren oder abzugrenzen.
Dazu kommt selbstverständlich das Neue Testament, dessen Originallektüre am Evangelischen Seminar seit eh und je gepflegt wird.

 

Klasse 9 und 10:

Pflichtfach unabhängig von der bisherigen Sprachenfolge
In diesen beiden Klassen werden in der Lehrbuchphase philosophische, historische und unterhaltsame Texte direkt aus dem Griechischen gelesen und die grundsätzlichen Strukturen der griechischen Sprache vermittelt.

 

Jahrgangstufen J 1 und J 2:

Diejenigen Schüler/innen, die Griechisch als weiterführendes Fach vierstündig wählen, setzen sich in der Kursstufe mit grundlegenden Autoren der griechischen Literatur auseinander, wie zum Beispiel Homer, Herodot, Thukydides, den Tragischen Dichtern und vor allem Platon. Im Mittelpunkt steht dabei die Interpretation dieser Texte, im Falle Platons die Übersetzung. Durch einen ausreichenden Schnitt über die vier Halbjahre der Kursstufe oder eine ausreichende Abiturprüfung erwerben die Schüler/innen das Graecum. Alternativ können die Seminarist/innen in J1 einen dreistündigen Kurs wählen, der sie auf die Ergänzungsprüfung zum Graecum vorbereitet. Krönender Abschluss der Beschäftigung mit Griechisch ist eine zweiwöchige Studienfahrt nach Griechenland. In ihrem Rahmen wird das Wissen über die griechische Kultur, das vor allem mithilfe von Texten erworben wurde, um das Erlebnis der antiken Kunst und Architektur, der griechischen Landschaft und des modernen Griechenland erweitert. An der Griechenlandfahrt nehmen alle Seminarist/innen teil, auch diejenigen, die Griechisch nur bis zur zehnten Klasse betreiben.


Sie haben ein Kind, das sich für unser Internat interessiert? Neben dem Tag der offenen Tür, der jedes Jahr im März stattfindet, bieten wir Ihnen auch an, Sie persönlich durch das Evangelische Seminar Maulbronn zu führen und Sie individuell zu beraten. Außerdem können Achtklässler Schnupperschultage oder ein Schnupperwochenende bei uns verbringen.

Vereinbaren Sie dazu einfach einen Termin! Wir freuen uns auf Sie!

Schnuppertag

Tag der offenen tür

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