Griechenlandfahrt 2018

06.05.18

Die verzweifelten Versuche noch ein paar Minuten Schlaf vor der Fahrt einzufangen, scheitert bei den meisten kläglich. Euphorisch warten wir also schon alle, bis die Uhr endlich viertel nach 1 schlägt und wir unser Gepäck im Bus verstauen können. Viele Stunden passiert nun nicht mehr, als dass ein ständiger Wechsel der unmöglichsten Schlafpositionen stattfindet, bis wir gegen 15 Uhr in Ancona ankamen. Wir reckten unsere Glieder, glücklich über die Aussicht nun endlich auf die Fähre zu dürfen, auf der man sich frei bewegen kann. Die Nachricht, dass die Fähre aber mehrere Stunden Verspätung hatte, erschüttert uns wenig, denn so können wir unsere Italienisch-Kenntnisse an der Eisdiele zur Schau stellen. Außerdem durften wir die Urlaubsluft der buntbehangenen Straßen der Stadt schnuppern. Die Gemeinschaftskabine, die uns zugewiesen wird, ist stickig und heiß und die Aussicht auf die Nacht eher mau. Wir genießen den Sonnenuntergang an Deck, noch bevor wir um 21 Uhr (nach griechischer Zeit) endlich den Hafen verlassen und den Rest des Abends mit Picknick, „Wer bin ich?“ oder anderem im Wind verbringen.

07.05.18

Nach einer unterschiedlich erholsamen Nacht auf der Fähre, entweder im stickigen Raum auf Pullmannsitzen oder auf dem windigen und später regnerischen Deck, frühstücken wir in kleinen Gruppen an Deck, bei Wind und Sonnenschein, wo wir uns noch mehrere Stunden die Zeit mit Spielen, Fotos und Gesprächen vertreiben, bis wir endlich unsere Reise wieder mit dem Bus fortsetzen können. Diesmal in der dringenden Hoffnung, Dodona (δοδονη) noch rechtzeitig zu erreichen, was, zur Freude aller, möglich gewesen ist. So erkunden wir die erste Ausgrabungsstätte auf griechischen Grund und bewundern nebenan die bergige Landschaft. Die Ankunft im Hotel erfolgt eine Stunde vor dem Abendessen (19:00 Uhr), sodass jeder noch die lang ersehnte Dusche im Anspruch nehmen kann. Der zweite Tag unserer großen Reise klingt gemütlich und mit Dankbarkeit über ein richtiges Bett aus.

08.05.18

Nach der ersten komfortablen Nacht in Kalambaka, stärken wir uns beim Frühstück mit Oliven und Kaffee (und möglicherweise auch anderen Leckereien), sodass all unsere Kräfte für den Gang zum Supermarkt mobilisiert wurden. Mit ausreichend Proviant ausgerüstet, erklimmen wir zunächst mit dem Bus, dann aber auch zu Fuß, zwei, der auf atemberaubenden Felsen thronenden Meteoraklöster. Im Inneren beider Klöster, bieten sich uns beeindruckende traditionelle Ikonen dar und der Ausblick von oben läd viele von uns zum Fotografieren ein. Um schöne Fotos und einen Wissensschatz reicher, begeben wir uns wieder auf festen, irdischen Boden- dem Ruf des Fetakäses folgend. Auf dem Weg nach Delphi, wo wir gegen Abend eintreffen sollen, machen wir Halt bei den Thermopylen (übersetzt „Heiße Tore“). Diese stellten während des Perserkrieges eine für die Griechen hoffnungsvolle geographische Engstelle dar, die doch schließlich vom deutlich größeren Heer der Perser taktisch umgangen wurde. Die Griechen waren eingekesselt und lediglich zwei griechische Soldaten überlebten die Schlacht. Am Ort des Geschehens von Herrn Utz und Herrn Tyllios zitiert, lässt sich Herodots Geschichte sehr schön vor Augen führen. Gespannt auf den nächsten Tag erreichten wir in strömendem Regen unser Hotel in Delphi. Wer weiß, was das Orakel uns damit hatte sagen wollen…

09.05.18

Zeitknapp beginnt der Tag im Hotel Acropole in Delphi, als wir uns um 7:15 Uhr zum Frühstück und um 8:15 Uhr schon wieder zur Abfahrt treffen. Schnell fährt uns Holger (unser Busfahrer) zur Ausgrabungsstätte in Delphi, die gegen alle Erwartungen einen idyllischen Ausblick in die Pampa bietet – wunderschön. So sehen wir uns das griechische Facebook der Antike an (Inschriften auf Steinen, die Gesetze beinhalteten) und dessen naheliegendes Museum. Als nächstes fährt Holger uns zum Amphiareion in Oropos und wir haben noch ganze 15 Minuten, um uns dessen prägende Geschichte anzuhören, wonach wir den Weg ins Athener Ghetto beschreiten. Angekommen, planschen wir im Pool der Dachterrasse, genießen die Skyline und bringen den Abend mit Plaudereien und Spielen zu. Wir freuen uns, morgen einen zweiten Abend so delikat verköstigt zu werden!

10.05. 18

Heute steht die Acropolis und das Acropolis Museum auf dem Plan. Um zur Acropolis zu kommen, steigen wir das erste Mal nach einem Riesen-Frühstück in die griechische Metro. Nach dieser Attraktion kommen wir zur eigentlichen Attraktion, der Acropolis. Um auf diese zu gelangen, müssen wir uns erst einmal durch eine Riesen-Menschenmasse wühlen. Aber es lohnt sich. Der Ausblick über die Dächer von Athen ist unglaublich, aber auch die Gebäude wie zum Beispiel das Parthenon. Nach dem Besuch im Acropolis Museum, kann ich mir fast vorstellen, wie prunkvoll es damals gewesen war mit den bunten Statuen und all den Bauten. Nach diesem eindrucksvollen Vor- und Nachmittag fahren wir zurück ins Hotel zu einem verfrühten Abendessen, um dann an den Kap Sounion zu fahren. Es ist eine anderthalbstündige Fährt, aber der Ausblick ist atemberaubend mit den Poseidontempel und dem Sonnenuntergang über dem Meer. Ein wunderschöner Abschluss.

11.05. 18

Der Tag weckt uns, noch bevor wir genug Erholung hatten, viel zu früh auf. Wir betrachten das Akropolismuseum, in dem wir von unserem zur Ruhe gesetzten Archäologen Tyllios, Insider-Wissen über Figuren, das Leben in Athen und Bestattungsrituale erfahren.  Besonders letzteres ziehen mich in ihren Bann. Losgelöst davon beschreiten wir die Agora, den Mittelpunkt der Kommunikation der Antike. Beeindruckend, wie das antike Athen auf funktionierende Kommunikation ausgerichtet war und wie wenig davon im 21. Jahrhundert noch übrig zu sein scheint. Es ist der erste Mittag, den wir frei verbringen dürfen und wir nutzen ihn, um griechisches Essen zu genießen, Souvenirs zu kaufen und in verschiedene Künstlerviertel oder auf kleinen Straßen zu flanieren. Es ist schön, wie zunehmend die Grüppchen aufbrechen und es tut uns allen gut, frischen Wind zu schnuppern und unsere Conpromotionalen auch in anderem Umfeld zu erleben. Mit Eindrücken des Tages geradezu vollgestopft, versuche ich mit den Yoga AG-lern, unter der Leitung Frau Schöns, durch Verbiegungen und Verkrümmungen den Kopf frei zu bekommen, was zumindest für eine kurze Zeit funktioniert. Das Yoga auf der Dachterrasse im Anblick der Akropolis und der Skyline Athens spiegelt wider, wie sich viele von uns fühlen – erleuchtet, aber heruntergekommen (dennoch mit einem unglaublichen Charm).  Die müde Stadt, die niemals schläft, wird von uns früh allein gelassen, denn wir alle brauchen jedes Fünkchen Kraft für den nächsten Tag.

12.05.18

Nach einem letzten Gang zum phänomenalen Bäcker in Athen, geht unsere Reise weiter, diesmal nach Tolo, an das ersehnte Meer. Unser erster Halt führte uns nach Eleusis. In dem antiken religiösen Zentrum, fanden jährlich die eleusischen Mysterien statt. Die Riten kreisten um die trauernde Demeter, die ihre Tochter Persephone jedes Jahr für sechs Monate dem Gott der Unterwelt, Hades, überlassen musste. Es ist interessant, dass der eigentlich pessimistische Blick auf das Jenseits die Menschen damals hoffnungsvoller werden lässt (und damit auch näher an unserer protestantischen Sicht ist). Auf der Ausgrabungsstätte könnte man richtig nahe an die alten Gebäudereste herantreten, trotzdem gilt natürlich: „respect the place“ (nicht klettern, Vesper…). Insgesamt war es schön, nach den eher anstrengenden Tagen in der Großstadt mal wieder einen nicht von Touris befallenen Ort zu kommen. Nach einer kurzen Fahrt kommen wir nach Isthmus, an den Kanal von Korinth. Diese Verbindung (Wasserstraße) ermöglichte den Pelepones zu durchqueren und brachte Korinth, durch den Handelsverkehr per Schiff, Wohlstand. Wir sehen gespannt ein paar Bungee Jumpern beim freien Fall zu und hören danach auch über Paulus Besuche in Korinth. Paulus war ja ein Missionar, der auch zu den heidnischen Glaubenden sprach und eine Gemeinde in Korinth gründete, zu der er auch Briefe, die wir aus der Bibel kennen, schickte. Über Korinth zu hören, war sehr cool. Den Rest des Tages verbringen wir in Toll am Strand in der Sonne. Für einige ist der Sieg des VfB noch das I-Tüpfelchen des Tages, für andere rundete das Schauen des ESC den Tag ab.

13.05.18

Nach einem stärkenden Frühstück hier in Tolo, machen wir uns um 9:00 Uhr auf den Weg nach Mykene, um dort die Akropolis zu besichtigen. Dieser Ort ist für manche, die am Theater des letzten Jahres mitgewirkt hatten, der wohl spektakulärste Ort unserer Reise, da dort der Schauplatz des Schauspiels Elektra war. Wir betreten diesen sagenumwobenen Ort durch ein gigantisches Tor, auf dessen Türsturz zwei große Löwen abgebildet sind (daher der Name Löwentor). Als wir oben sind, bietet sich uns ein wunderschöner Ausblick über die ganze Ebene. Anschließend machen wir uns auf den Weg ins Schatz-Haus von Mykene, die wohl größte und besterhaltendste Kuppel der Antike, in dessen Raum wir das Lied „Freedom is coming“ zu singen beginnen. Nach diesen Eindrücken machen wir uns auf den Weg nach Epidauros. Dort werden wir gepackt von der atemberaubenden Größe des Steintheaters. Wenn man unten auf die Thymele (ein Stein in der Mitte) eine Münze fallen lässt, kann man es ganz oben noch deutlich hören. Was beachtlich ist, da das Theater Platz für 12000 Menschen bietet. Als ich unten auf der Orchestra spreche, wird mir sogar schwindelig, da es sich anfühlte, als kreiste meine Stimme um mich. Wir schauen uns außerdem das Stadion von Epidauros an. Den Abend können wir frei gestalten, und so finden gute Gespräche und entspannte Spaziergänge am Strand statt.

14.05.18

Am 14.05. verbringen wir einen äußerst entspannten. Wir können länger schlafen und somit auf später frühstücken, da wir den größten Teil des Tages frei haben. Diese Ruhe, die der Tag mit sich bringt, haben wir nach all den vollen Tagen und langen Busfahrten nötig und wir alle können die Freiheit in vollen Zügen genießen. Den Morgen und den Mittag verbringen die meisten von uns am Strand. Eine Gruppe von Mädchen ergreift die Chance Yoga im Sand zu machen, wobei sie feststellen müsse, dass die Hitze kaum zuträglich für das Wohlbefinden ist. Dennoch scheinen sie ihre innere Mitte durch Frau Schöns gekonnte Anleitung, gefunden zu haben. Um die Mittagsessenszeit geht es dann zum Restaurant Pita essen und dann wieder an den Strand oder auch zum hoteleigenen Pool. Um 15 Uhr fahren wir nach Nafplio, um uns dort die Stadt anzuschauen und den Nachmittag ausklingen zu lassen.

Nelly Keller (Promo 15/19)