Die Debatte

Wie Luther Thesen formulieren und damit die Kirchenobersten herausfordern - wo gibt's denn so was? Na bei uns! 

„Kirche macht was aus deiner Idee!“: Das ist das Motto des Ideenwettbewerbs, den die evangelische Landeskirche anlässlich des Reformationsjubiläums veranstaltet hat. Und was könnte man mit rund 150 diskussionsfreudigen Semis Besseres tun als den Oberkirchenrat (fast) wie Luther zu einer Disputation herauszufordern? Die Idee war schnell eingesandt und schon waren wir mitten im Auswahlverfahren. Zunächst ging es darum Stimmen zu sammeln, um unter die acht Projekte mit den meisten Stimmen zu kommen. Und während viele sich noch fragten wozu genau das eigentlich gut sei, stand auch schon die Preisverleihung bevor. An einem Freitagabend im April, während alle anderen schon längst auf dem Heimweg waren, machten sich Frau Ose und eine Schülerin auf den Weg nach Stuttgart. Ein Stehempfang und die Vorstellung jeder einzelnen vergangenen Runde und langsam machte sich schon Ungeduld breit, doch dann war es so weit. Und auf dem Weg nach vorne und während das Siegerfoto gemacht wurde, machte sich schon ein wenig Stolz breit. Die Seminare hatten gewonnen, Maulbronner und Blaubeurer Schüler würden gemeinsam mit dem Oberkirchenrat diskutieren!

Sechs Monate und viele Vorbereitungsstunden der Disputanten später, ist der große Tag schließlich da. Rund 150 Schüler und acht Lehrer sind in Stuttgart in der Stiftskirche zusammengekommen. Es ist Vormittag, etwa 10 Uhr, die Disputation wird erst am Nachmittag stattfinden. Nach ein paar Worten zur Begrüßung gehen jeweils die Parallelklassen zusammen um gemeinsam den Mittag zu verbringen und einander besser kennenzulernen. Während die neunten und zehnten Klassen sich sofort zu den Verwaltungsgebäuden des Oberkirchenrats aufmachen um diese Räumlichkeiten kennenzulernen, dürfen die elften und zwölften Klassen in der Stiftskirche eine Führung genießen. Im Anschluss tauschen die beiden Gruppen ihre Standorte und werden durch das jeweils andere Gebäude geführt. Zwischendurch gibt es natürlich auch noch Verpflegung vom Oberkirchenrat, die durch ihre Vielfalt jedem gut geschmeckt hat. Nach einer kurzen Mittagspause, die jeder individuell gestalten darf, treffen wir uns wieder bei der Stiftskirche und schon sind wir auf dem Weg zum Hospitalhof. Dort soll die Disputation stattfinden. Während die Disputanten-Gruppe letzte Vorbereitungen mit der Moderatorin, Frau Rivuzumwami trifft, machen die anderen eine kurze Chorprobe, denn es soll ja auch Musik geben. Wir werden sowohl durch die Moderatorin, als auch durch unsere Ephoren begrüßt. Die Ansprachen dauert nicht lange, aber alle, selbst die aufgeregten Disputanten wollen, dass es endlich losgeht. Nach einem Chorlied der Maulbronner Semis geht es auch los. Die Moderatorin geht nach vorne, sie ruft die Kirchenvertreter auf, sie ruft die Semis auf, immer zwei Maulbronner und zwei Blaubeurer gemeinsam und schon dürfen sich die OKR (Oberkirchenräte) das erste Mal äußern. Kaum zu glauben, dass da auf der Bühne jetzt UNSER Samuel aus Klasse 12 und UNSERE Miriam aus Klasse 11 stehen und ganz souverän mit den OKR diskutieren. Leider ist ihre Redezeit von 17 Minuten auch viel zu schnell um und die nächsten Semis diskutieren über spannende Thesen. Nach den ersten beiden Runden wird auch das gesamte Publikum noch mal nach seinem Eindruck befragt. Schließlich sind die Disputanten nur Vertreter. Es stellt sich heraus, dass das Publikum sowohl Lob hat, als auch Punkte die es noch ergänzen möchte. Die dritte und vierte Runde laufen ähnlich wie die ersten beiden ab. Es gibt viel Kritik und Unstimmigkeit, aber ebenso auch viele Übereinstimmungen und neue Erkenntnisse. Und was nehmen die OKR so mit? Vor allem sind sie begeistert von der Leidenschaft, mit der unsere Disputanten sprechen und mit welcher Klarheit, ein tolles Lob! Außerdem befinden sie, dass man manche Diskussionen immer wieder führen muss und deshalb auch dieses Projekt wiederholen sollte. Das sehen sicher auch die Semis so. Im Nachhinein hörte man oft Sätze wie: „Ach hätten sie nur ein bisschen mehr Zeit gehabt die Diskussion zu vertiefen!“ oder „Naja, das Vormittagsprogramm war ja nicht so besonders, aber die Disputation war wirklich spannend!“ Doch man kann wohl sagen, dass das was wir an diesem Dienstag, den 17.10.2017 gesehen haben, bereits eine große Leistung war.

Und deshalb möchte ich im Namen der Schüler auch noch ein paar Worte des Dankes aussprechen: Vielen Dank an Frau Ose für viel Organisation und Mühe die Sie in dieses Projekt gesteckt haben. Vielen Dank auch an Samuel, Miriam, Annika, Hannah, Caroline, Melissa und Dorothee. Ihr habt viel Zeit und Arbeit in die Vorbereitungen gesteckt und deshalb unsere Schule bestens vertreten. Ohne Euer Interesse hätte diese Disputation nicht zustande kommen können. Vielen Dank auch an alle anderen Beteiligten, deren Wirken wir Schüler nicht mitbekommen haben.

von Davina Döring (Promotion 2014/2018)

 

Das Presse-Echo der Stuttgarter Zeitung, der Landeskirche und der Südwestpresse. Der Artikel des Mühlacker Tagblatts und der Pforzheimer Zeitung findet sich im Archiv. 

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