Wittenberg und Berlin

Über die Woche vom 13. Juli bis zum 21. Juli 2017 schrieb ich in mein Tagebuch, in das ich nur selten, an ganz besonders schönen Tagen, reinschreibe:

Jeder der vergangenen Tage hätte eine ganze Seite verdient, denn es fühlt sich an als hätten wir ein ganzes Buch durchlebt. Für mich war es ein Abenteuerbuch im jugendlichen Stil, eine gute Mischung aus Kultur und Aktion. Die Fahrt nach Wittenberg hatte etwas Neues und Aufregendes an sich, keiner wusste genau was uns erwartet, klar, dass Luther vor 500 Jahren die Reformation eingeleitet hatte, war auch bei uns angekommen, doch vorbereitet hatte sich niemand, warum auch ? Das Werkzeug unsere Stimmen war mit im Gepäck. Auf Straßen und Bühnen, spontan oder geplant sangen wir „Freedom is coming“ sowie Choräle, die wie es schien, dem Publikum nahegingen und uns eine Freude/ Gemeinschaft erleben ließ, die wir sicher alle in Erinnerung behalten werden. Aus dem Alltag auszubrechen hat sich gelohnt, die Zeit mit Freuden aus anderen Promos war eine gute Basis für die Berlinfahrt. 

Ab nach Berlin ging es mit Herrn Utz und Frau Heinzelmann am Sonntagvormittag, Schwups, waren wir auch schon mitten in Berlin. Die „Alte Feuerwehrwache“ in Kreuzberg, unsere Herberge, überwältigte uns mit den hohen Decken, großem Flur und WG-Gefühl. Wir waren alle froh, dass wir es so grandios erwischt hatten. Da machte es auch nichts, dass kurz darauf, bei einer Fahrt auf der Spree, das Wetter sich nicht so wirklich entscheiden konnte. Die gute Stimmung, trotz vorangegangenen kürzeren Nächten, blieb uns erhalten. Den Abend durch Berlin streifend oder bei Film und Tee ausklingen lassend, verging der erste Tag.  Dass es nicht doch noch ein ganzes Buch wird, erzähl ich schnell von meinen eigenen Höhepunkten: Der Rahmen an Kultur und auch Kunst war uns gegeben und eine gute Portion Freiheit auch. Über die Museumsführer könnte man schon allein einen Vergleich schreiben, sie waren jeder auf seine Weise mitreisend, vom Engagierten, Neugierigen bis zum lustigen Dummschwätzer war alles dabei. Ein Besuch jedoch wurde, durch die selbst durchlittene Geschichte des Museumsführers im Stasi-Gefängnis Hohnenschönhausen, zu etwas Lebendigem, Besonderem. Der ältere Mann war der letzte Zeitzeuge der noch in den Kellerzellen, dem so genannten U-Boot, gefangen war. Die erschreckende Situation in der DDR wurde uns durch seine eigenen Erfahrungen vor Augen geführt. Auch das jüdische Museum mit seiner genialen Architektur war sehr beeindruckend.

Nach ein bis zwei gemeinsamen Programmpunkten ging es in alle Himmelsrichtungen (natürlich nur in 3er Gruppen); die kulinarische Seite Berlins  wurde erkundet. Von indisch bis viermal am Tag Döner wurde ausgetestet und Berlin entdeckt. Die Stunden nach der Nationalgalerie oder dem Bundestagbesuch wurden ausgeweitet, was auch einer tollen Lichtprojektion auf eine Häuserwand hinterm Reichstag geschuldet war, die viele besuchen wollten. Das Treffen mit den Blaubeurern am letzten Abend führte zu einem spontanen Pony vor dem Brandenburger Tor und nette Zusammensein im Park.  Mit neugewonnenem Wissen über die Geschichte unseres Landes aber auch dem Hinweis, dass es andauernd mutige Menschen braucht, die mit offenen Augen durch die Welt gehen, um die Demokratie zu erhalten, kehrten wir am Donnerstagmorgen nach Maulbronn zurück.

von Miriam Kupfer (Promo 2015/19)

  • 1 Wittenberg
  • 1 Wittenberg2
  • Bundestag
  • Juedisches Museum
  • Mauerpark
  • Museeumsinsel
  • Nationalgalerie
  • Promo 15 20
  • Semi Blaubeuren und Semi  Maulbronn