Deutschlandfunk

Ist des Menschen Wille frei?


Karsten Gundermanns oratorische Disputation zwischen Luther und Erasmus in der Klosterschule Maulbronn uraufgeführt


Von Magdalene Melchers

Erasmus von Rotterdam verfasste 1524 seine Streitschrift "Vom freien Willen“. Der große Humanist hielt selbigen für gegeben. Martin Luther antwortete ihm ein Jahr darauf in einem Brief, „der freie Wille sei nichts". Daraus entstand ein Disput, der bis heute ungemindert von Bedeutung ist. Der Hamburger Komponist Karsten Gundermann gab diesem aktuell eine musikalische Form. In seinem von der Klosterschule Maulbronn beauftragten Oratorium lässt er die Protagonisten ein fiktives Streitgespräch führen, das aus Zitaten alter Schriften zusammenbaut ist. Ein Chor - bestehend aus Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften des Evangelischen Seminars - wägt die Standpunkte ab und kommentiert sie in Texten, die unter Mitwirkung der Schüler entstanden. Das Opus endet mit einer Chorfassung des "Vater unser": Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Autorin Magdalene Melchers begleitete die Einstudierung der Komposition bis zur Uraufführung am 21. Mai dieses Jahres. Dieses Projekt lehrte weitaus mehr als Melodien und Harmonien - es forderte jeden Beteiligten heraus, nach der Freiheit der eigenen Gedanken zu fragen.

Hören Sie die Sendung im Deutschlandfunk am 30. Mai 2017 um 22.05 Uhr.